Enquete Kommission "Künstliche Intelligenz": KI und Gesundheitsversorgung zusammendenken

Am Donnerstag, den 27. September 2018, nimmt die neu eingesetzte Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz ihre Arbeit auf. Die neue Enquete-Kommission des Bundestages zu Künstlicher Intelligenz soll einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf das Gesundheitswesen richten.

Ich wünsche mir, dass wir in der Kommission anhand konkreter Anwendungsbeispiele gesetzgeberisches Handeln vorbereiten. Zuvorderst blicke ich dabei auf unser Gesundheitswesen. Es gehört zu den wenigen Gebieten, auf denen die Chancen von KI schon heute ganz konkret greifbar sind.

  • Ob bei der Hautkrebs-Früherkennung oder im CT: Maschinen können Bilder oft schon präziser auswerten als der Arzt – denn durch KI lernen sie auf der Grundlage von tausenden Bildern, verlässlich zwischen gesund und krank zu unterscheiden.

  • Im Krankenhaus wie auch im ambulanten Bereich wird KI die Versorgungsprozesse erleichtern. Die sprachgesteuerte Dokumentation von Behandlungsschritten, das Ausfüllen digitaler Rezepte oder die Kontrolle der richtigen Medikation: Mithilfe von KI können Ärzte und Personal drastisch entlastet werden. Die papierlose, intelligente und sektorenübergreifende Vernetzung der Leistungserbringer muss unser Ziel sein.

  • In Deutschland geschehen jährlich tausende Behandlungsfehler und medizinisch unnötige Eingriffe werden durchgeführt. KI-basierte Frühwarnsysteme können dem Arzt bei kritischen Entscheidungen assistieren und Fehler erkennen, ehe es zu spät ist.

  • Auch die Erforschung und Erkennung seltener Erkrankungen macht dank KI rasante Fortschritte. Durch die Zusammenführung großer aggregierter Datenmengen können Computer wissenschaftliche Leistungen erbringen.

All diese Fortschritte müssen wir politisch aber auch ermöglichen! Als Gesetzgeber sind wir am Zug, förderliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Einerseits gehören dazu neue Fördermöglichkeiten für die Forschung. Wir wollen international führende KI-Experten nach Deutschland holen. Dazu brauchen wir – auch für das Gesundheitswesen – einen KI-Campus und sollten nicht zögern, vorhandene Einrichtungen wie das Deutsche Forschungszentrum für KI zu verstärken. Gleichzeitig ist dafür zu sorgen, dass auch innovative Ideen und Produkte aus der Wirtschaft Einzug in die KI-gestützte Versorgung finden.

Andererseits gibt es heikle Themen, denen wir uns widmen müssen. Denn einige unbequeme Fragen sind bis heute unbeantwortet. Wie sollen die Vorschriften für die Prüfung neuer Algorithmen und für die Qualitätskontrolle maschineller Lernprozesse ausgestaltet sein? Wie lassen sich Fehler und Folgefehler nachträglich korrigieren? Wollen wir in kritischen Infrastrukturen – z.B. in Krankenhäusern – auch ausländische KI-Lösungen ungeprüft zulassen? Und welche Rolle wird KI im Verhältnis zum Arzt einnehmen? Auf diese Debatten freue ich mich.

Hintergrund:

  • Die Einsetzung einer Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ wurde im Juni vom Bundestag beschlossen.
  • Das Gremium trifft am Donnerstag, 27. September 2018, zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
  • Der Kommission werden 19 Mitglieder angehören, darunter Tino Sorge MdB als stellvertretendes Mitglied.

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