Mit dem Sportwagen auf dem Feldweg - Das neue E-Health Gesetz der Bundesregierung

Das neue E-Health Gesetz der Bundesregierung

In Deutschland sterben immer noch mehr Menschen an unerwünschten Arzneimittelwirkungen als im Straßenverkehr. Etwa weil ein Patient bei verschiedenen Ärzten in Behandlung ist und diese nicht wissen, welche Arzneimittel bereits verordnet wurden. Deshalb schafft die Bundesregierung jetzt die Grundlage dafür, dass der persönliche Medikationsplan möglichst bald mit der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden kann. Dieser Medikationsplan soll Patientinnen und Patienten, die drei oder mehr Medikamente nehmen, ausgehändigt werden.

Weitere behandelnde Ärztinnen und Ärzte können anhand dieses Medikationsplans erkennen, welche Arzneimittel gerade eingenommen werden und so gefährliche Wechselwirkungen verhindern. Das hilft insbesondere älteren und allein lebenden Menschen. Auch in Notfällen kann eine digitale Vernetzung Leben retten. Etwa, wenn es nach einem Unfall schnell gehen muss, soll der Arzt künftig wichtige Notfalldaten direkt von der elektronischen Gesundheitskarte abrufen können – etwa über bestehende Allergien, Unverträglichkeiten oder chronische Erkrankungen.

Tino Sorge, Magdeburger Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Gesundheitsausschuss spricht sich dafür aus, auch die Apotheker in diese Regelung zu integrieren.

„Häufig ist der Apotheker der direkte und tägliche Ansprechpartner der Patientinnen und Patienten. Sie kennen häufig aus erster Hand die Probleme des Patienten im Bereich Therapietreue und Medikation. Deshalb es ist sinnvoll, diese beim Medikationsmanagement zu integrieren.“, so Sorge.

Er werde sich „in den weiteren parlamentarischen Verhandlungen dafür einsetzen, dass diese Ergänzung in das Gesetz aufgenommen wird“, so Sorge weiter.

Hintergrund

Digitale Vernetzung nun auch im Gesundheitswesen. Kaum etwas hat unser Leben in den vergangenen 20 Jahren so stark verändert wie das Internet und die Verbreitung digitaler Technologien. Allerdings erleben wir im Alltag auch Widersprüchliches: Nahezu alle Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser nutzen bereits heute digitale Daten auf hohem Niveau. Aber beim Transfer dieser Daten stecken wir vielfach noch im analogen Zeitalter von Brief und Telefax fest. Dies ist so, als hätte man lauter Sportwagen, aber nur Feldwege, auf denen man fahren kann. Deshalb brauchen wir in Deutschland dringend eine Infrastruktur, die einen sicheren elektronischen Datenaustausch im Gesundheitswesen ermöglicht.

Neben der Dokumentation des persönlichen Medikationsplans auf einer elektronischen Gesundheitskarte ist Einhaltung hoher Datensicherheitsstandards ein wesentlicher Schwerpunkt des vorliegenden Gesetzentwurfs.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur sicheren digitalen Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (sog. "E-Health-Gesetz") wurde Anfang Juli in erster Lesung im Deutschen Bundestag debattiert. Am 10 Juli 2015 wird das E-Health-Gesetz im Bundesrat beraten.